Kirchenkreis Schlüchtern - Kirchenkreis Schlüchtern

Veranstaltungen Schlüchtern

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Tageslosung

5. Sonntag der Passionszeit ? Judika (Schaffe mir Recht, Gott! Psalm 43,1)
Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

 

 

 

„Wir sind bereit, persönliche Freiheiten einzuschränken!“
7. Schlüchterner Gespräch in der Kinzig-Schule
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Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Beate Hofmann, stand am Mittwoch den Religionsschülerinnen und Schülern der 13. Klasse des Beruflichen Gymnasiums der Kinzig-Schule in Schlüchtern Rede und Antwort. Die Lernenden hatten sich zusammen mit Schulpfarrerin Heike Bausch intensiv auf diesen Besuch vorbereitet. Sie brachten gut recherchierte, pointierte und brisante Fragen mit in die nahezu voll besetzte Pausenhalle, die der Bischöfin persönliche und darum umso glaubwürdigere Antworten abverlangten.

 

Konkrete Fragen

Das Thema der 7. Schlüchterner Gespräche war die ethische Verantwortung der Kirche für die Mitwelt. Unter dem Bibelwort „Füllt die Erde und macht sie euch untertan!“ wurden in drei Themenfeldern aktuelle Themen in Kurzreferaten präsentiert. Anschließend stellten die Lernenden der Bischöfin ganz konkrete Fragen, wie z.B. ob die Kirche nicht Stellung beziehen müsse gegen den Luxus einer Kreuzfahrt, warum sich Kirche beim Thema Extremismus so zurückhaltend verhält, welche Maßnahmen Kirche gegen die Ausbeutung durch Großkonzerne ergreifen kann, ob es mit dem biblisch-christlichen Menschenbild vereinbar sei, Tiere für eigene Zwecke zu töten oder für Tierversuche zu gebrauchen oder ob Fleisch nicht generell als Luxusgut kritisch zu betrachten sei. Auch medizinethische Fragen wurden gestellt, etwa ob eine Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lässt, dadurch Gott unähnlicher werde oder ob sich das Klonen von Lebewesen bis hin zum Menschen ethisch rechtfertigen lasse.

Es braucht globale Regelungen und persönliche Entscheidungen

Bei den Antworten begann die Bischöfin damit, dass es in der Bibel zwei Schöpfungsberichte gebe. Der eine, aus dem auch das Bibelwort stamme, gehe davon aus, dass die Natur überwunden und beherrscht werden müsse, um ein lebenswertes Dasein zu ermöglichen. Dahinter stünden Erfahrungen wie Überschwemmungen, Dürren oder andere Naturkatastrophen. In dem anderen Schöpfungsbericht sei das Leitbild der Garten, der bewahrt und erhalten werden solle. „In unserer Zeit“, so die Bischöfin weiter, „kommen wir an einen Punkt, an dem eindeutig die Bewahrung der Schöpfung das Thema ist und nicht mehr die Beherrschung.“ Dabei habe jede und jeder Verantwortung. Evangelische Ethik wolle nicht vorschreiben, dass etwas nur so oder so richtig sei. Der evangelische Weg sei es, das Gewissen zu schärfen und die Bildung eines eigenen Urteils zu unterstützen. Zwar sei es nicht möglich, zu 100% ökologisch und ethisch nachhaltig zu leben, aber Vieles liege doch in der Hand von jedem Einzelnen. Es brauche also gleichermaßen globale Regelungen und persönliche Entscheidungen. Die Bischöfin machte den Schülerinnen und Schülern unter anderem Mut, sich gut zu überlegen, welche Art von Kleidung oder Kosmetika sie kaufen wollen.

Persönliche Antworten

Bei einigen Themen argumentierte die Bischöfin auch persönlich. Sie habe erst mit 10 Jahren erfahren, dass man Kühe dauerhaft in einem Stall halte. Als sie später zudem erfuhr, dass man für die Produktion einer Fleischkalorie ganze sieben Brotkalorien benötigt, fasste sie den Entschluss, Vegetarierin zu werden. Damit lebe sie nun schon seit 38 Jahren „ziemlich gesund“, merkte sie lächelnd an. Deutlich sprach sie sich auch gegen die Praxis des Klonens aus. Die Unverfügbarkeit der genetischen Ausstattung sei gerade das entscheidende Moment der menschlichen Freiheit. Wenn Sportlichkeit oder Intelligenz nicht mehr zufällig, sondern das Ergebnis eines medizinischen Eingriffes seien, dann sei die Gleichheit und Freiheit des Menschen in großer Gefahr. Hier gelte es, die Grenze nicht zu überschreiten, sondern zu halten. Ebenso deutlich sprach sich die Bischöfin gegen die aktive Sterbehilfe aus. Wo das möglich sei, entwickle sich ein Druck für die Patienten, den Angehörigen nicht länger zur Last zu fallen. Dies sei ein gesellschaftliches Armutszeugnis, so die Bischöfin. Die Palliativmedizin ermögliche es zudem, Menschen bis zu ihrem Tod gut zu begleiten, ohne sie aktiv zu töten.

Bereitschaft zum Handeln

Am Ende einer lebendigen und beeindruckenden Debatte war es die Bischöfin, die die Lernenden danach fragte, was sie denn von ihnen mitnehmen könne an Anregungen. Darauf antwortete ein Schüler unter dem Applaus der Anwesenden: „Wir sind bereit, unsere persönlichen Freiheiten einzuschränken, wenn wir damit dem Planeten und der Demokratie helfen können.“ 

 

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Text und Fotos: Jens Heller

Bild 1: Bischöfin Hofmann und Schulleiter OStD K. Günder

Bild 7: Schulpfarrerin Heike Bausch